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Schwäbisch können nur Gescheite

03.11.2017

"Geheult wird erst, wenn es blutet oder blöd weg-steht": Bis zum Anschlag voll war der Kulturbesen. Im Publikum gut gelaunte Menschen, im Rampenlicht "Dui do ond di sell", die mit schwäbischem Kabarett brillierten.

Beliebt sind die Künstlerinnen für ihre "lustigen Schnauzen" – die oft Patzer und Wahrheiten aussprechen, in der sich jeder selbst erkennt. Klar, alles künstlerisch überzogen und witzig dramatisiert. Aber nie böse oder niveaulos, und das scheint das Erfolgsrezept des Bühnenpaars zu sein.

Doris Reichenauer und Petra Binder heißen die Schwäbinnen, sind Freundinnen seit der Schulzeit und jetzt irgendwo Mitte 50 gelandet. Im Plauderton, voller Selbstironie und mit explosiven Knallern
ging es durch das Programm und auf die Lachmuskeln.

Kittelschürze und altbackener Dutt brauchen es hierzu nicht. Beide Ladies tragen Jeans, Doris mit Herzchenbluse, Petra trägt einen hellen Pulli der geschickt Feinkoströllchen verdeckt. Freche Kurzhaarfrisuren bevorzugen sie. Und das hat seinen Grund. So wurde der Blondine Doris, noch langhaarig, schon nachgepfiffen "…und als ich mich umdrehte, zuckte so ein junger Kerl zusammen". Das tut in der Seele weh.

Darüber hinweg hilft nur Shoppen in Stuttgart. Dort findet Petra auch heraus, dass Krokodile Seide essen. Eindeutig stand in der Kroko-Handtasche "mit Seide gefüttert". Dagegen entstand Doris’ Ring durch Wasserkraft (Sie hatte so lange geheult, bis er ihr den Ring kaufte). Schlagfertig und witzig erörtern die Kabarettistinnen im Publikum, wer woher kommt. Einer ist aus Frankfurt. "Das kenne ich. Das ist gleich hinter Reutlingen", sprudelt es aus Doris heraus. Man ist ja klug. Schwäbisch können nämlich nur die Gescheiten, denn sie wachsen zweisprachig auf. Sie schreiben "Pferd" und sagen "Gaul", sie schreiben "wie bitte?" und sagen "hä?". Dann plaudert Doris von Sohn Kevin (Käffin) und dessen neuer Freundin Joana-Luise. "Wenn der Schutzmann die Arme spreizt, lässt er einen fahren", schrieb Sohnemann in der Schule. Regt sich Mama zu Hause auf, sollte sie laut Junior einen "Reset machen und chillen". Aber was, wenn der Bengel Joana-Luise schwängert und Doris zur Oma macht? Warum gibt es eigentlich keinen Oma-Kurs an der Volkshochschule? Soll sich Kevin doch eine Freundin suchen, die wie seine Mutter ist. Aber die gefällt Papa nicht.

Zum Relaxen haben sich beide Damen asiatischem pilatischem Yoga verschrieben, seit heute. Petra gab ihren Hüften Namen, Tira und Misu. Dann nehmen Doris und Petra junge Mütter und ihre übertriebenen Erziehungsmaßnahmen ins Visier. Dabei ist Erziehung doch einfach: Die Jungs hält man vom Blaulicht ab, die Mädchen vom Rotlicht. Mit solchen Sprüchen trifft das Duo den Nerv des Publikums, das ist längst warm gelaufen.

Schon folgen Stories aus dem Wartezimmer, und vom Hausarzt, der mit "Homo-Kügele" plötzlich auf Naturheilkunde macht. "Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein", sprechen die Schwäbinnen Wahrheiten aus. Da wird Petra weinerlich, aus Mitleid kauft sie schon alten Gouda. Ein Wal ernährt sich gesund und schwimmt den ganzen Tag – und ist fett. Am Ende macht das Wasser dick und nicht die Schokolade? Sie halten sich fit mit Wintergemüse wie Marzipankartoffeln, grünen Smoothies und Jägermeister mit 56 Kräutern. Das Leben ist ein Kreislauf: du reißt dir ein Haar am Hintern aus und das Auge tränt, erkennt Petra.

Kevin ging nicht mehr ans Telefon, obwohl Doris anrief, WhatsApp-, SMS- und Messenger-Nachrichten geschrieben hatte. Dann erinnert sich Doris, wie sie ihren Kevin im Mickey-Mouse-Schlafanzug abholen wollte und in eine Fahrzeugkontrolle kam, ohne Papiere natürlich.

Beide Damen stammen noch aus der "Käfer-Generation" und erinnern sich: "Wenn wir damals solche Autos nicht gehabt hätten, würde es manchen von euch heute nicht geben. Der Käfer hatte so geschickte Schlaufen…". Petra bekommt beim Erzählen selbst einen Lachanfall, reißt Doris und das ganze Publikum mit.

Gerne kommen die Schwäbinnen in den Kulturbesen, der genialen Stimmung wegen. Im tiefen Grunde ihres Herzens sind sie auch Männerversteherinnen. Im kommenden Jahr wieder an der Geißhalde – mit neuem Programm.

Text & Bild: Karin Schmidtke / Schwarzwälder Bote

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