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Hochdeutsch, "des verstoht koiner"

30.04.2019

Ein illuminierter Schrubber für die "Kehrwoch en dr Nacht" (Strangers in the Night) und eine Besen-Gitarre, um Musik und Kehrwoche miteinander tun zu können, damit warete die "Kehrwoch-Mafia" im Kulturbesen auf.

Der Rock ’n’ Roll macht das Putzen und Kehren etwas erträglicher. Foto: Herzog Foto: Lothar Häring/Schwarzwälder Bote
Der Rock ’n’ Roll macht das Putzen und Kehren etwas erträglicher. Foto: Herzog Foto: Lothar Häring/Schwarzwälder Bote

A n originellen Erfindungen, die zur Lokalität des Kulturbesens passte, mangelte es der "Kehrwoch Mafia" um Andreas Sauer alias Buddy Bosch und Bernd Steckroth keinesfalls. Mit schwarzem Anzug, Krawatte, Hut, dunkler Sonnenbrille und gelben Hemd und einer gehörigen Portion schwarzem Humor begeisterte das Musik-Kabarett-Duo die Besucher im vollen Besen mit selbst komponierten Texten zu bekannten Melodien ein ums andere Mal.

Schwäbische Mundart-Musik lag ihnen ebenso im Blut wie Geschichten erzählen über die Lieblingsbeschäftigung der Schwaben, das Schrubben und Putzen. Nicht immer aber waren die Liedtexte aus dem schwäbischen Alltag lustig und amüsant, weil eben auch dieser traurige Momente bereithält.

In Erinnerung an einen durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Schulkameraden komponierte Bosch die Ballade von den "Drei kleine Kreuzle", in der die Frage, warum es keine vier sind, unbeantwortet blieb. Es sei nicht wichtig, was man in den Tod mitnehme, sondern was man zurücklasse.

Bei der Herfahrt von Esslingen nach Schramberg sei ihm bewusst geworden, was für ein schönes Ländle man als Schwabe doch habe, sinnierte Bosch. Womit jedem im Saal klar war, dass nun die schwäbische Nationalhymne "Für emmer Schwob" (For Ever Young) anklingen wird. Mir schwätzet schwäbisch und kenne au Hochdeutsch. Doch des verstoht koiner", witzelte der Mafia-Boss.

Wie eine spanische Kehrwoche funktioniert, wenn sich ein heißblütiger Spanier in eine schwäbische Putzfrau verliebt, inszenierten die beiden Vollblutmusiker ebenso gekonnt wie den Filderkraut-Blues, den man beim Verzehr dieses Gemüses bekommen muss. Nebenbei plauderte Buddy Bosch aus dem Nähkästchen und verriet seine eigene Liebesgeschichte. So hat er für seine Frau, die er schon von Kindheit an kannte, aus den Augen verlor und wiederfand und mittlerweile 34 Jahre verheiratet ist, das Liebeslied "Mir zwoie" geschrieben. Viel zu leise war dem Duo das "oooaaahhh", als sie Frank Sinatras "My Way" in "Weil i jetzt hoim geh" anstimmten und das Konzertende ankündigten. Da ließ sich das Publikum nicht lumpen und erhöhte schlagartig den Lärmpegel, klatschte unaufhörlich und forderte Verlängerung.

Mit "Hoim ens Schwobaland" (Country Roads), "Es war echt schee" (Whats up/4 non Blondes) und "Ausgehn die Lampe" (La Bamba/Ritchie Valens) wurde der Besen noch richtig gerockt. Damit lieferten Bosch und Steckroth auch den Beweis, dass der Rock ’n’ Roll nicht aus den USA, sondern aus dem Schwabenland stammt: Um das Putzen und Kehren ein wenig erträglicher zu machen.

Text & Bild: Herzog Foto: Lothar Heerzog/Schwarzwälder Bote

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